Interview mit dem Oberbürgermeister

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Der Oberbürgermeister in Friedrichshafen ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Messe und Aufsichtsrat in verschiedenen Industrie-Unternehmen – wie hat sich dies entwickelt?

Andreas Brand:

Dass Oberbürgermeister und Bürgermeister bei städtischen Gesellschaften den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden einnehmen, ist ja erst einmal nichts Ungewöhnliches, schauen Sie sich nur landauf landab die Stadtwerke an. In Friedrichshafen gibt es aber – und da haben Sie mit Ihrer Frage recht – neben diesen üblichen Aufsichtsräten auch Unternehmen wie die Messe, an der Friedrichshafen ganz wesentlich beteiligt ist. Und wir haben hier die Zeppelin-Stiftung mit den Unternehmen ZF Friedrichshafen AG, Luftschiffbau Zeppelin GmbH und Zeppelin GmbH. Da die Zeppelin-Stiftung von der Stadt Friedrichshafen verwaltet wird, nimmt die Stadt dort auch die Rolle des Gesellschafters war und ist in den Aufsichtsräten vertreten. Zugegeben: Das ist eine einzigartige Konstellation, die die Themen Wirtschaft und Politik ganz eng verknüpft – und eine herausfordernde und unternehmerische Aufgabe darstellt. 

 

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Stichwort Graf Zeppelin – die Industrie-Unternehmen, die sich daraus am Standort Friedrichshafen entwickelt haben, können einen Weltruf vorweisen und zählen zu den Global Playern in ihren Branchen. Manche Großstadt wäre froh, so viele Hightech- Arbeitsplätze bieten zu können. Resultiert daraus aber auch umgekehrt für Friedrichshafen eine besondere Verantwortung?

Andreas Brand:

Natürlich. In Friedrichshafen treffen Tradition und aktuelle Wirtschaftstrends täglich aufeinander und stellen uns auch als Stadt stets aufs Neue vor Herausforderungen. Damit Hightech-Arbeitsplätze bleiben, müssen wir als Stadt einerseits den Unternehmen die notwendige Infrastruktur bieten – von der Verkehrsanbindung bis zur schnellen Datenleitung. Die Arbeitskräfte erwarten andererseits von ihrer Stadt darüber hinaus ebenfalls eine sehr gute Infrastruktur von Mobilität über Bildung und Betreuung, bis hin zu Wohnraum zur Miete oder zum Kauf. Hier geht es um ein hohes Maß an Lebensqualität.

 

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Sie sind seit 2009 Oberbürgermeister in Friedrichshafen und dafür auch aus Böblingen nach Friedrichshafen gezogen. Was faszinierte Sie in den ersten Tagen am meisten am Bodensee und speziell in Friedrichshafen?

Andreas Brand:

Meine Familie und ich haben Friedrichshafen vom ersten Tag als unglaublich dynamische Stadt wahrgenommen, die neugierig ist, sich verändert und sich weiterentwickelt. Die Häfler erlebe ich als weltoffene, sympathische, bodenständige, arbeitende und nach vorne blickende Menschen.

 

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Friedrichshafen wurde als einzige Stadt am Bodensee während des 2. Weltkrieges komplett zerbombt und hat daher eine völlig neue Entwicklung als andere Bodensee-Städte genommen.  Wie würden Sie aus heutiger Sicht Ihre Stadt definieren und welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie für Friedrichshafen?

Andreas Brand:

Gerade dieser Neuanfang prägt die Stadt bis heute und hat ihr in der Vergangenheit neben den Herausforderungen auch viele Chancen und Perspektiven gegeben, sich neu auszurichten. Heute ist Friedrichshafen eine moderne, lebendige Stadt, die alle Voraussetzungen mitbringt, die Entwicklungen der Zukunft aktiv mitzugestalten. Ich denke da beispielsweise an die Digitalisierung im Privaten wie in Wirtschaft und Industrie oder auch an den demographischen Wandel. Aufgrund der wirtschaftlichen Stärke sehe ich Friedrichshafen hier auf einem guten Weg.

 

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Friedrichshafen ist eine der wenigen Städte in Deutschland, die eine ISEK durchführen. Was verbirgt sich hinter diesem Kürzel und welchen Zweck hat dieses Projekt? 

Andreas Brand:

ISEK bedeutet Integriertes Stadtentwicklungskonzept, ein Prozess, den wir gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern im Herbst 2015 angestoßen haben: Im ISEK-Prozess wird Bürgerbeteiligung großgeschrieben. Wir organisieren Workshops, Umfragen, Veranstaltungen und Online-Foren zu den Themen, mit denen sich eine Stadt heute und in Zukunft beschäftigen muss. Dabei geht es um wirtschaftliche und soziale Aspekte, Ökologie, Kultur und natürlich auch um Stadtplanung. Also im Grunde um die zentrale Frage, um die es in der Stadtentwicklung geht: Wie wollen wir in Zukunft leben?

 

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Welche der Friedrichshafener Messen besuchen Sie privat am liebsten?

Andreas Brand:

Die IBO lockt mich jedes Jahr mit einem abwechslungsreichen Angebot in die Messehallen. Eine klassische Verbrauchermesse mit langer Tradition und einer guten Perspektive für die Zukunft. Und mit meinem Sohn gehe ich gerne zur Faszination Modellbau - nicht nur zum Schauen, auch zum Einkaufen.

 

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Was würden Sie Gästen empfehlen, unbedingt am See zu machen?

Andreas Brand:

Im Sommer empfehle ich unbedingt den Sprung in den See – in einem unserer schönen Bäder. Zu jeder Jahreszeit lohnt sich außerdem der Besuch im Zeppelin Museum und im Dornier Museum. Hier gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Ein Geheimtipp nach einem erfolgreichen Messetag ist außerdem der Stärr Schorsch in Fischbach – eine der schönsten Gartenwirtschaften am See. 

© Messe Friedrichshafen



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