Interview mit Peter Gerstmann

„Die Lebensqualität am Bodensee ist enorm.“

Der juristische Sitz des Zeppelin Konzerns befindet sich in Friedrichshafen, die Zentrale in Garching bei München. Der Konzern erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016 an 190 Standorten mit 7.646 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,36 Milliarden Euro.

 

Bis heute prägt das Thema „Zeppelin“ Friedrichshafen in jeder Beziehung. Industrie, soziales Leben oder Wohlstand: Vieles basiert auf dem Wirken des Grafen Zeppelin. Anlass genug, um mit Peter Gerstmann, Vorsitzendem der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH, ein persönliches Interview zu führen.

 

CLOSEUP: Herr Gerstmann, Sie sind – ebenso wie der Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen, Klaus Wellmann – von Köln nach Friedrichshafen gezogen. Was war das Beste an diesem Ortswechsel, und was vermissen Sie am meisten?

Peter Gerstmann: Der Ortswechsel war in jeder Hinsicht perfekt. Schauen Sie sich nur die wunderbare Landschaft, den See, die Freizeitmöglichkeiten, aber auch die Infrastruktur an! Das einzige, was ich hier ein bisschen vermisse, ist die unkomplizierte Art der Rheinländer. Es ist schon etwas schwieriger, das Vertrauen der Menschen hier zu gewinnen. Aber fairerweise muss ich gestehen, dass die Menschen in meiner Umgebung sicherlich viel mehr unter dem Rheinländer Gerstmann leiden, als ich unter den Schwaben.

 

CLOSEUP: Als Geschäftsführer der Zeppelin GmbH sind Sie häufig in der Unternehmenszentrale in Garching bei München tätig. Im direkten Vergleich zwischen großstädtischem Ballungsgebiet und Bodenseeregion: Wo sehen Sie den Vorteil des Standorts Friedrichshafen?

Peter Gerstmann: Friedrichshafen ist für mich ein Rückzugsort, in dem die Ansprüche der Umgebung und die Geschwindigkeit des Handelns auf ein erträgliches Maß zurückgedreht werden. Ein idealer Ort zum Arbeiten und für die Familie. Kein Verkehrschaos – auch wenn die Menschen das hier anders sehen, weil sie nicht den Münchner Autobahnring kennen – und die unmittelbare Anbindung an die Natur. Behördengänge lassen sich bequem vor der Arbeit erledigen, Schulwege sind kurz und sicher, Brötchen sind noch Brötchen und nicht aus der Fabrik, die Märkte werden von den Bauern und der Region versorgt und nicht aus dem Großmarkt. Die Lebensqualität ist enorm – und das ist es doch, was letztendlich zählt. 

 

CLOSEUP: In Ihrem Unternehmen beschäftigen Sie hochqualifizierte Arbeitskräfte in einer wirtschaftlich starken Region. Wie schaffen Sie es, Mitarbeiter zu finden und zu binden, bevor es andere tun? Womit überzeugen Sie potenzielle Kandidaten, dass sie mit einem Wechsel an den See die richtige Entscheidung treffen?

Peter Gerstmann: Sicherlich sind die zuvor genannten Argumente vor allem für junge Familien äußerst wichtig. Aber wir bieten in der Region äußerst attraktive und sichere Arbeitsplätze. „Leben und Arbeiten am See“ ist ein hoch attraktives Gesamtpaket. Zeppelin bietet hier natürlich noch mal ein besonders Umfeld: Mit der mittelständischen Struktur bieten wir bereits bei qualifizierten Einsteigerfunktionen ein hohes Maß an Eigenverantwortung und unternehmerischem Handeln. Die flachen Hierarchien ermöglichen zudem schnelle Karrieren und unmittelbaren Kontakt zum Management. Zudem sind wir als Vertriebs-, Service- und Engineering-Organisation eine echte „People’s Company“ mit höchster Kundenorientierung. 86 Prozent unserer Mitarbeiterhaben in der letzten Mitarbeiterbefragung die Kundenorientierung als höchsten Motivationsfaktor für ihre Tätigkeit bei Zeppelin genannt. Ist das nicht fantastisch? Mitarbeiter, die diesen Anspruch haben, kommen zu uns.

 

CLOSEUP: Mit seiner Vision eines lenkbaren Luftschiffs legte Graf Zeppelin den Grundstein für Ihr Unternehmen. Inwiefern prägt dieser historische Bezug den Zeppelin Konzern auch heute noch?

Peter Gerstmann: Wir haben unser Werte-und Führungsverständnis an den Handlungsweisen von Graf Zeppelin ausgerichtet. Wenn wir beispielsweise in unseren Unternehmenswerten den Satz „Grafen scheitern erfolgreich“ verwenden, dann erinnern wir uns an die Geduld und das Durchhaltevermögen, aber auch all die Rückschläge, die Graf Zeppelin auf dem Weg erfahren hat.

 

CLOSEUP: Die Lösungen Ihrer Geschäftseinheit Rental werden auch von der Messe Friedrichshafen genutzt. Aussteller mieten Büro-Container, bei Großveranstaltungen kommen Absperrlösungen zum Einsatz. Wie entwickelt sich die Geschäftseinheit Rental und wo sehen Sie hier das größte Potenzial?

Peter Gerstmann: Rental ist sicherlich das innovativste Geschäftsmodell im Konzern. Längst geht es um viel mehr als nur das Vermieten einer Baumaschine. Heute bieten wir ein vollständiges Lösungspaket – mit allem, was Sie zum Gelingen Ihrer Baustelle benötigen. Angefangen von der Verkehrssicherung über die Zugangskontrolle, die Logistik, die Energieversorgung, mobile Unterbringungsmöglichkeiten, Baugeräte bis zur Abfallentsorgung bekommen Sie bei uns alles aus einer Hand. Das ist ein riesiges, noch nicht erschlossenes Potenzial. So kaufen wir jedes Jahr Unternehmen hinzu, die unser Lösungsangebot für unsere Kunden weiter vervollständigen und verbessern.

 

CLOSEUP: Ihre Geschäftseinheit Z Lab kombiniert das Branchen-Know-how des Zeppelin Konzerns mit der digitalen Expertise eines Start-ups. Dank digitaler Innovationen soll die Baustelle der Zukunft effizienter, vernetzter und automatisierter sein. Wie sieht Ihr visionärer Ausblick auf die Bodenseeregion im Jahr 2030 aus? In welche Richtung wird die Entwicklung gehen: Tourismus und Freizeit, Industriestandort, Vorreiter in Sachen E-Mobility und Nachhaltigkeit … ?

Peter Gerstmann: Na, in alle Richtungen. Denn wir haben alles mit Höchstleistungsanspruch am See vertreten. Und die Verantwortlichen werden nicht schlafen – die Unternehmen werden industriell führend bleiben. Mit ZF und seinen Partnerunternehmen haben wir einen führenden Hub für E-Mobility in der Region; Tourismus und Freizeit sind der Region in die Wiege gelegt; zur Nachhaltigkeit sind wir schon aufgrund der regionalen Lage verpflichtet, und mit ihrem Netz an hervorragenden Schulen und Universitäten bietet die Region die beste Basis für Start-ups und Gründer.


CLOSEUP: Ihnen persönlich werden Attribute wie Geradlinigkeit, Verbindlichkeit und Bodenhaftung zugeschrieben. Inwiefern sind diese Werte in einem Unternehmen mit so langer Tradition wie Ihrem ausschlaggebend für dauerhaften Erfolg? 

Peter Gerstmann: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unsere wichtigste Aufgabe als Verantwortliche im Unternehmen ist, nachhaltige Werte zu schaffen und nicht kurzfristige Kennzahlenerwartungen zu erfüllen. Ein tiefes Werteverständnis gibt dabei Orientierung und Sicherheit für die Zukunft und sichert damit den Erfolg.

 

CLOSEUP: Sie sind Geschäftsführer eines Weltkonzerns und vermutlich häufiger im Stress als im Urlaub. Wie und wo können Sie am besten abschalten und auftanken?

Peter Gerstmann: Zunächst einmal ist Arbeiten Leben. Es ist für mich ein Privileg, jeden Tag neue Herausforderungen zu erleben und neue Menschen kennenzulernen. Das vermeidet Stress, der immer dann auftaucht, wenn Arbeit zur persönlichen Belastung wird. Aber ich nehme auch meine Auszeiten, verreise viel und gerne mit meiner Frau, cruise mit meiner Harley übers Land, sammle alte Fotoapparate und mache leidenschaftlich gerne Musik. Letzteres besonders gerne als Mitglied der Zeppelin Band, die sich bereits seit sieben Jahren in Garching aus Mitgliedern des Unternehmens zusammensetzt.

 

© Messe Friedrichshafen



Kommentare

Keine Kommentare vorhanden

Einen Kommentar hinterlassen